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Selbsthilfe Informationen

Eine Selbsthilfegruppe beschäftigt sich mit Themen, die jeden treffen können. Die Mitglieder in einer Selbsthilfegruppe verstehen, helfen und stärken sich gegenseitig. Des weiteren werden Mitglieder in einer Selbsthilfegruppe zusammen aktiv.

Was ist eine Selbsthilfegruppe?

Selbsthilfegruppen (SHG) können ganz unterschiedlich arbeiten und verschiedene Formen der Organisation haben. Die Grenzen sind fließend und es gibt häufig Mischformen.

Merkmale aller Selbsthilfegruppen sind (nach NAKOS und DAG SHG):

  • Freiwillige Zusammenschlüsse von Menschen, deren Aktivitäten sich auf die gemeinsame Bewältigung von Krankheiten und/oder psychischen Problemen sowie auch von schwierigen Lebenssituationen, richten.
  • Die Mitglieder sind alle selbst Betroffene. Dabei kann es sich auch um Angehörige handeln.
  • Die Gruppen arbeiten selbstorganisiert und eigenverantwortlich.
  • Sie werden nicht von professionellen Helfern geleitet. (Ausnahme: die Professionellen sind selbst Betroffene)
  • Sie ziehen jedoch gelegentlich Experten zu bestimmten Fragestellungen hinzu (z.B. für Arztvorträge in der Gruppe).
  • In der Gruppe herrscht das Prinzip von „Geben und Nehmen“.
  • In der regelmäßigen, oft wöchentlichen Gruppenarbeit wird Authentizität, Gleichberechtigung, gemeinsames Gespräch und gegenseitige Hilfe betont.
  • Von den Mitgliedern wird eine aktive, kontinuierliche Mitarbeit erwartet.
  • Ihr Ziel ist eine Veränderung persönlicher Lebensumstände und häufig auch ein Hineinwirken in ihr soziales und ggf. politisches Umfeld.
  • Ideal: ca. sechs bis zwölf Personen
  • Es gibt Gruppenregeln, die für eine erfolgreiche Arbeit empfohlen werden.
  • Es gibt einen Ansprechpartner der Gruppe und eine Arbeitsteilung innerhalb der Gruppe bei bestimmten Aufgaben.
  • Selbsthilfegruppen wollen mit ihrer Arbeit keinen Gewinn erwirtschaften.

Wie können Selbsthilfegruppen helfen? (Wirkungsweise)

Selbsthilfegruppen ermöglichen den Austausch von Erfahrungen mit Erkrankung oder einem Problem. Mit der Unterstützung einer Selbsthilfegruppe wird es ermöglicht auf ein konkretes Ziel hinarbeiten und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Desweiteren kann eine Selbsthilfegruppe anderen Betroffenen helfen, mit ihrer Situation besser klar zu kommen.

  • Erfahrungsaustausch – sich selbst finden / sich selbst erforschen im Spiegel der Anderen
  • Mit seinen Problemen nicht allein zu sein, Gefühl der Zugehörigkeit, Aufhebung von Isolation, sowohl äußerer (soziale, gesellschaftliche Isolation) als auch innerer (persönliche, seelische Isolation).
  • Aussprechen können von Gefühlen
  • Information, Wissenszuwachs, konkrete Ratschläge (krankheits- und problembezogenes Erfahrungswissen, Fachwissen)
  • Lernen am Modell (andere können als Vorbild wirken durch ihre Art, Dinge zu bewältigen)
  • Mehr Selbstwertgefühl, Steigerung der Selbstachtung, Stimmung verbessert sich
  • Positive Auswirkungen auf die Gesundheit und die Bewältigung von Krankheit, von Behinderung, Problemen und Belastungen
  • Dem Wiedereintritt und der Verschlimmerung von Erkrankungen kann entgegengewirkt werden
  • Reduktion von individuellen Belastungen und Risiken
  • Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien
  • Krankmachende Lebensereignisse (z.B. Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Verlusterlebnisse) können frühzeitig bearbeitet werden, im Sinne der prävention von krankmachender Verfestigung
  • Mehr Lebensqualität
  • Ggf. Hineinwirken ins soziale/gesundheitliche Umfeld, in Politik und Öffentlichkeit

Kurzinformation Selbsthilfegruppen in Deutschland

(Auszug NAKOS, Wolfgang Tiehl und Dr. Jutta Hundertmark-Mayser)

Seit den 70-er Jahren ist ein zunehmender Aufbau von Selbsthilfegruppen sowie Selbsthilfeorganisationen und seit den 80-er Jahren von Selbsthilfekontaktstellen zu verzeichnen. Die Anzahl der Selbsthilfegruppen in Deutschland hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. Damit sind Selbsthilfegruppen und –Organisationen in den letzten Jahrzehnten zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer aktiven Bürgergesellschaft geworden und nehmen inzwischen in unserem Gesundheitssystem einen festen Platz ein. Seither ist die Selbsthilfe als „vierte Säule“ im Gesundheitswesen herangewachsen und trägt zu einer wesentlichen Form des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland bei.

Heute engagieren sich über 3,5 Millionen Menschen, in bis zu 100.000 regionale/örtliche Selbsthilfegruppen unterschiedlicher Größe und zu sehr vielfältigen Themen (ca. 1000 Themen) in sozialen und gesundheitlichen (Menschen mit chronischer Krankheit und Behinderung und/oder dessen Angehörige) Bereichen.

Themen von Allergie bis Zeckenbiss, Alleinerziehend bis Zwillingselternschaft, Arbeitslosigkeit bis Zölibat. Die fünf häufigsten Formen von Selbsthilfegruppen sind

  1. Elternkreise und -initiativen
  2. Selbsthilfegruppen / -organisationen chronisch Erkrankter und Behinderter
  3. Angehörigenselbsthilfegruppen
  4. Psychosoziale Selbsthilfegruppen
  5. Seniorenselbsthilfegruppen

Rund die Hälfte der Selbsthilfegruppen- und initiativen auf örtlicher Ebene ist nicht als Verein organisiert oder einer größeren Selbsthilfe-Organisation angeschlossen; genauere Zahlen hierzu gibt es jedoch nicht. Allerdings summiert sich die Zahl der Gruppen, die bei den Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen bekannt sind und von diesen unterstützt werden seit Jahren auf nicht ganz 40.000.

In Deutschland gibt es ca. 340 Selbsthilfeorganisationen auf Bundesebene, mehr als 80 Organisationen/Institutionen mit Selbsthilfebezug und 289 selbsthilfeunterstützende Einrichtungen, davon 240 Selbsthilfekontaktstellen (Hauptaufgabe) und 49 Außenstellen an örtlich arbeitenden Selbsthilfekontaktstellen. Zunehmend schließen sich diese zu Arbeitskreisen oder Netzwerken zusammen, die teilweise auch themenübergreifend arbeiten. Von den 289 Einrichtungen entfallen 214 auf die alten Bundesländer und 75 auf die neuen Bundesländer. Insgesamt 338 Einrichtungen der örtlichen Selbsthilfeunterstützung in Deutschland (aus Zahlen und Fakten NAKOS Studien 2011/2012)

Im Land Brandenburg arbeiten 22 örtliche Selbsthilfekontaktstellen themen-, bereichs- und indikationsübergreifend und 4 Außenstellen. Fast in jedem Landkreis oder kreisfreier Stadt im Land Brandenburg (ausgenommen Landkreise Ostprignitz- Ruppin und Elbe-Elster), arbeitet eine Selbsthilfekontaktstelle.

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark gibt es z.Zt. 88 Selbsthilfegruppen, die sich in einem selbsthilfefreundlichen Klima entwickeln konnten, davon z.B.:

  • 18 Selbsthilfegruppen im Suchtbereich
  •  9 Selbsthilfegruppen Menschen mit Behinderungen
  •  9 Selbsthilfegruppen Krebs
  • 11 Selbsthilfegruppen mit Erkrankungen der Psyche
  •  4 Selbsthilfegruppen für Diabetiker
  •  4 Selbsthilfegruppen Pflegende Angehörige
  •  7 Selbsthilfegruppen/AG Rheuma-Erkrankungen
  •  3 Selbsthilfegruppen Blinde und Sehbehinderte
  •  3 Selbsthilfegruppen Herzerkrankungen
  • 9 Selbsthilfegruppen Chronische Erkrankungen
  •  2 Selbsthilfegruppen Frauen
  •  1 Selbsthilfegruppe Senioren
  • 1 Innovativgruppe Nachhilfe Deutsch für Erwachsene in Bad Belzig
  • 1 Familie

Die Selbsthilfegruppen im Landkreis Potsdam-Mittelmark gehören zum Netzwerk sozialer Dienste in den vier Planregionen des Landkreises.